
Heiße Quellen und Thermalresorts: Onsen, Thermen und vulkanische Becken
Wie Sie im japanischen Onsen, in einer Alpentherme oder im Vulkanbecken Costa Ricas baden, wie lange Sie bleiben und wer achtsam sein sollte.
Natürlich warmes Wasser zieht Reisende seit Jahrtausenden an, von den römischen Thermen bis zu den Berggasthäusern Japans. Heute prägt es einige der erholsamsten Resorts überhaupt, doch jede Tradition hat ihre eigenen Regeln, Temperaturen und ihren eigenen Rhythmus. Wer sie kennt, macht aus einem unsicheren ersten Besuch ein ruhiges, gelassenes Bad. So funktionieren die Onsen Japans, die Thermalbäder der Alpen und die vulkanischen Quellen Mittelamerikas.
Was eine Quelle zur Thermalquelle macht
Thermalwasser ist Grundwasser, das tief im Untergrund erwärmt wird, entweder durch vulkanische Hitze oder schlicht durch die mit der Tiefe steigende Temperatur, und dann durch Spalten im Gestein wieder nach oben gedrückt wird. Unterwegs löst es Mineralien, und deshalb unterscheiden sich Quellen so stark in Farbe, Geruch und Gefühl auf der Haut: Schwefelquellen riechen leicht nach Ei, eisenhaltiges Wasser färbt das Gestein rostrot, und manche alkalischen Quellen fühlen sich auf der Haut fast seidig an.
Die Definitionen unterscheiden sich von Land zu Land. In Japan gilt eine Quelle als Onsen, wenn das Wasser mit mindestens 25 °C austritt oder bestimmte Mineralien in ausreichender Menge enthält. Viele Resorts erwärmen oder kühlen das Quellwasser auf eine angenehme Badetemperatur, manche lassen es auch zirkulieren. Die Frage, ob ein Becken direkt aus der Quelle gespeist wird, ist also berechtigt.
Japanische Onsen: die Etikette
Das Baden im Onsen folgt einer festen Abfolge, und sie einzuhalten ist die wichtigste Höflichkeit gegenüber den anderen Gästen:
- Lassen Sie Ihre Kleidung im Korb im Umkleideraum. Die meisten Gemeinschaftsbäder sind nach Geschlechtern getrennt, gebadet wird nackt.
- Waschen Sie sich gründlich an den Sitzduschen und spülen Sie jede Spur von Seife ab.
- Steigen Sie langsam ins Wasser und halten Sie die Haare heraus, lange Haare hochgebunden.
- Das kleine Handtuch bleibt draußen: Legen Sie es gefaltet auf den Kopf oder an den Beckenrand.
- Sprechen Sie leise, schwimmen Sie nicht und fotografieren Sie niemals.
- Tupfen Sie sich ab, bevor Sie in den Umkleideraum zurückkehren, damit Sie nicht auf den Boden tropfen.
Tätowierungen bleiben ein heikler Punkt. Viele Onsen bitten Gäste mit Tattoos noch immer, die Gemeinschaftsbäder nicht zu nutzen, auch wenn die Regeln mancherorts lockerer werden und kleine Tattoos sich manchmal mit einem Pflaster abdecken lassen. Die einfachste Lösung ist ein privates Bad: Viele Ryokan, die traditionellen japanischen Gasthäuser, bieten Bäder, die sich stundenweise reservieren lassen, oder Zimmer mit eigenem Freiluftbecken.
Onsen-Wasser ist heiß, oft um 40 bis 42 °C, manchmal auch mehr. Japanische Badende bleiben meist in kurzen Runden im Wasser und kühlen sich dazwischen auf einem Hocker oder an der frischen Luft ab. Viele verzichten auf das abschließende Abspülen, damit die Mineralien auf der Haut bleiben, es sei denn, das Wasser ist stark säure- oder schwefelhaltig. Auf Hokkaido liegen heiße Quellen nahe den Skiorten von Niseko, und ein Bad nach einem Tag im Tiefschnee ist dort gelebte Gewohnheit.
Alpine Thermalbäder und Saunakultur
Die Alpen tragen die europäische Badetradition weiter, ein Erbe der römischen Thermen, verfeinert in den Kurorten des 19. Jahrhunderts. In der Schweiz sind das Wallis und das Unterengadin in Graubünden für ihre Thermal- und Mineralquellen bekannt, ähnliche Traditionen ziehen sich durch Österreich, Südtirol und die bayerischen Alpen.
Alpine Thermalbecken sind deutlich kühler als ein Onsen, oft um 32 bis 36 °C, in manchen Bädern ergänzt durch ein kleineres, heißeres Becken. Das ist warm genug, um an einem Winternachmittag mit Schnee auf der Terrasse lange im Wasser zu bleiben. In den Becken trägt man Badekleidung.
Der Saunabereich ist eine andere Welt. Im deutschsprachigen Raum ist er oft textilfrei und gemischt, auf jeder Bank liegt ein Handtuch unter Ihnen, und ein Saunameister leitet die Aufgüsse nach Plan: Duftendes Wasser wird auf die heißen Steine gegossen und der Dampf durch den Raum gewedelt. Rechnen Sie auch mit Stille: Telefone bleiben draußen, Gespräche werden leise geführt. Resort-Spas in den Schweizer Alpen und den Dolomiten folgen oft denselben Gepflogenheiten. Fragen Sie deshalb vorab, ob die Sauna textilfrei ist und ob es Zeiten oder Bereiche mit Badekleidung gibt.
Vulkanische Quellen in Mittelamerika
Costa Rica liegt auf einer Kette von Vulkanen, und seine heißen Quellen fühlen sich wieder anders an: Freiluftbecken in Regenwaldgärten, oft mehrere mit unterschiedlichen Temperaturen, gespeist von Quellen und Bächen, die unterirdisch erhitzt werden. Am bekanntesten ist die Gegend um den Vulkan Arenal im Norden. Näher an Liberia in Guanacaste bieten die Hänge des Rincón de la Vieja heiße Quellen und vulkanischen Schlamm, leicht zu verbinden mit einem Wandertag im Nationalpark.
Hier trägt man Badekleidung, die Becken sind gemischt, die Etikette ist entspannt. Die praktischen Punkte sind andere. Die Wassertemperatur kann von Becken zu Becken stark schwanken, prüfen Sie sie also mit der Hand, bevor Sie hineinsteigen. Schwefelhaltiges Wasser lässt Silber anlaufen, Schmuck bleibt deshalb im Zimmer. Vulkanischer Schlamm wird aufgetragen, getrocknet und abgespült. Tragen Sie dabei einen alten Badeanzug, denn Schlamm und Mineralien können helle Stoffe verfärben.
Regen gehört zur Kulisse. Von Mai bis November ist auf der Pazifikseite grüne Saison, und ein Bad am Nachmittag im warmen Regen gehört zu ihren Freuden, solange kein Gewitter in der Nähe ist. Ist eines in der Nähe, verlassen Sie das Wasser.
Wie lange baden
Heißes Wasser wirkt stärker, als es sich zunächst anfühlt. Bei Wasser um 40 °C oder mehr sollten Sie jede Runde kurz halten, fünf bis zehn Minuten, und sich danach außerhalb des Wassers abkühlen, bevor Sie, wenn Sie möchten, eine weitere Runde anschließen. Zwei oder drei Runden genügen den meisten. In kühleren alpinen Becken können Sie weit länger bleiben, doch eine Pause und ein Glas Wasser etwa jede halbe Stunde sind trotzdem sinnvoll.
Achten Sie auf die Signale. Schwindel, Herzklopfen, Übelkeit oder gerötete, kribbelnde Haut sind Gründe, aus dem Wasser zu steigen, sich zu setzen und langsam abzukühlen. Stehen Sie nach einem langen Bad vorsichtig auf, denn beim Aufstehen aus heißem Wasser kann der Blutdruck absinken, und halten Sie sich auf nassen Stufen am Geländer fest.
Trinken Sie vorher und nachher Wasser, niemals Alkohol. Baden Sie nicht direkt nach einer schweren Mahlzeit und nicht allein spät in der Nacht in einem abgelegenen Freiluftbecken.
Wer vorsichtig sein sollte
Für die meisten Reisenden sind heiße Quellen erholsam, doch Hitze stellt echte Anforderungen an den Körper. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie in heißem Wasser baden, wenn Sie eine Herzerkrankung, hohen oder niedrigen Blutdruck haben oder schwanger sind, und warten Sie nach einer Operation oder einem neuen Tattoo, bis die Wunden vollständig verheilt sind. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, besonders gegen Blutdruck- oder Kreislaufbeschwerden, sollte ebenfalls fragen.
Kinder überhitzen schneller als Erwachsene, halten Sie ihre Runden also kurz und ihren Kopf kühl. Viele Onsen heißen Kinder willkommen, manche Resorts setzen für Gemeinschaftsbäder und Saunabereiche jedoch ein Mindestalter. Und wenn Sie beim Abendessen getrunken haben, verschieben Sie das Bad auf den Morgen: Vor Alkohol in Verbindung mit heißem Wasser warnt jedes Onsen.
Häufige Fragen
Trägt man im japanischen Onsen Badekleidung?
In den meisten Gemeinschafts-Onsen nicht: Gebadet wird nackt, und die Bäder sind nach Geschlechtern getrennt. Sie waschen sich zuerst gründlich an den Duschplätzen und halten das kleine Handtuch aus dem Wasser. Manche Resortbecken und gemischte Freiluftbäder erlauben Badekleidung oder Badetücher, achten Sie also auf das Schild am Eingang.
Wie lange sollte man in einer heißen Quelle bleiben?
In heißem Wasser um 40 °C oder mehr sind kurze Runden von fünf bis zehn Minuten mit einer Pause dazwischen sinnvoll, zwei oder drei Runden genügen. In kühleren Thermalbecken können Sie länger bleiben, sollten aber Pausen einlegen und Wasser trinken. Steigen Sie sofort aus, wenn Ihnen schwindlig wird oder Sie sich unwohl fühlen.
Darf man mit Tattoos ins Onsen?
Die Regeln sind unterschiedlich. Viele Gemeinschafts-Onsen bitten Gäste mit Tattoos noch immer, nicht zu baden, manche akzeptieren sie inzwischen oder erlauben, kleine Tattoos abzudecken. Private Bäder, die sich oft stundenweise reservieren lassen oder zum Zimmer gehören, umgehen die Frage ganz.
Unabhängiger redaktioneller Rat. Die Ratgeber nennen keine Resorts, und resortris nimmt für Berichte kein Geld. Saisonangaben und Bedingungen sind allgemein und können von Jahr zu Jahr abweichen.
Gleich ausprobierenResort-Finder: Welches Resort zu Ihnen passtBeantworten Sie sechs kurze Fragen zu Reisebegleitung, Landschaft, Monat und Prioritäten und erhalten Sie drei Reiseziele samt dem passenden Resortstil.















